Sunday, September 03, 2006

Neues Schuljahr, neues Glück

Jetzt ist es schon fast wieder eine kleine Ewigkeit her seit meinem letzten Eintrag. Das ist indirekt ein Indiz für all die Dinge, die in seit Mitte August hier passiert sind. Das klingt dramatischer als es ist, denn am Ende läuft es "nur" darauf hinaus, dass das Schuljahr/ Semester für uns beide wieder begonnen hat. Für mich ging der Alltag am 04.08., das Unterrichten am 11.08., los. Für Patrick fing das Semester am 23.08. wieder an. Das ist das letztes Semester mit Kursen, die er belegt. Größtenteils unterrichtet und zensiert er für eine Professorin. Im Januar stehen seine großen Prüfungen an, das Examen, wenn man so will. Die letzte große Bühnenprobe vor der Verteidigung der Dissertation... und das dauert noch ein wenig. Bis dahin, so hat er vor wenigen Tagen erfahren, will sein neuer Doktorvater, dass er 100 Bücher zum Thema liest (bzw. deren Inhalt kennt), 2 Vorlesungen schreibt und hält und zwischenduch immer wieder kurze Hausarbeiten einreicht. All das zusätzlich zu den Kursen, die er noch belegt, zum besagten Zensieren und Lehren und zum Vorbereiten auf Konferenzen, auf die er als guter Doktorand natürlich auch fahren soll. An dem Abend habe ich Patrick so ziemlich das erste Mal leicht panisch gesehen... Nun sitzt er also regelmässig und versucht sein Soll zu erfüllen.
Mir geht es ähnlich, was einerseits daran liegt, dass ich jetzt 6 Kurse (a 3x 70 min. pro Woche) unterrichte, vorbereite und benote (das Beste an allem ...und das meine ich NICHT ernst). Andererseits liegt es auch daran, dass ich mich nach langem Rangen selbst entschieden habe, mich noch einmal für die Uni zu bewerben. Für Doktorandenprogramme in Sozialpsychologie mit meinem alten Schwerpunkt in Konflikt- & Friedenspsychologie oder Intergruppenbeziehungen ganz allgemein. Das ist ein großes Vorhaben und ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das auch wirklich will. Es handelt sich hier um gute 6-8 weitere Jahre straffes Unileben ohne nennenswerte Bezahlung. Trotzdem ist es etwas, das ich lange mit mir rumgetragen habe und das mich immer neugierig lassen würde. Also habe ich mich dieses Jahr entschlossen es zu versuchen, damit die liebe Seele Ruh' findet und ich zumindest nicht sagen kann, ich habe es nicht versucht. Ich bin da so vorsichtig, da ich mir ganz ehrlich relativ bescheidene Chancen einräume, sofort angenommen zu werden (und das wäre dann auch in Ordnung, da es eben nicht das ist, worauf ich mich auf Gedeih und Verderb "berufen" fühle). Ich habe es sicher schon erwähnt, aber Doktorandenprogramme (vor allem, aber nicht nur, in Psychologie) sind heiss begehrt und es werden im Durchschnitt von 300-800 Bewerbern (je nach Uni) 2-8 genommen. Also im Durchschnitt etwa 1:100, an manchen Unis eher 1:200 oder sogar 1:250. Zur Bewerbung gehören eine Gebühr, ein Bewerbungsschreiben, 3 Empfehlungsbriefe, alle Zeugnisse und detailierten Kursbeschreibungen des Grund- und Hauptstudiums und zu meinem Übel der TOEFL (Test of English as Foreign Language) sowie der GRE (Graduate Record Examination). Letztere sind standardisierte Tests, die man in 4-Stunden-Sitzungen am Computer macht, nachdem man ein Schweinegeld dafür bezahlt hat ($130, bzw. $150 jeweils). Ich habe beide bereits vor Jahren hinter mich gebracht, aber da es eine fetzige Geldquelle ist und die Forschung auch Geld kostet (zugegeben), sind die Werte nur 2 (TOEFL), bzw. 5 (GRE) Jahre gültig und beide sind in meinem Falle abgelaufen. Somit sitze ich nun und lerne erneut. Man sollte meinen, in den TOEFL könnte ich einfach reinmarschieren, aber so einfach ist das nicht (mehr). Der Test wurde gerade überarbeitet und die Übungsversion, die ich vor einigen Tagen probiert habe, war alles andere als kinderleicht. Es gibt jetzt 4 Teile: Hörendes Verstehen, Lesendes Verstehen, Sprechen (nach 10-30 Sek Vorbereitungszeit auf ein Argument stimmig reagieren) und Schreiben. Früher gab es einen Grammatikteil und der war mit etwas Übung wirklich nicht schwer. Jetzt ist es also sehr viel angewandter, was einserseits gut, andererseits auch nicht so gut ist, weil man sich weniger klar darauf vorbereiten kann (meine ich). Der GRE ist dann die Krönung. Der Test besteht aus 3 Teilen: Englische Sprache, Mathematik und logisches Argumentieren in einem Aufsatz. Vor allem der Sprachteil ist unheimlich schwer, da er einzig und allein aus Fremdwörterbuch-Vokabeln besteht, die man als Nicht-Muttesprachler in 97% der Fälle noch NIE gehört oder gesehen hat. Da hilft auch kein Latein und da kann man, glaube ich, 20 Jahre im Land gelebt haben und das würde sich nur unerheblich ändern. Patrick, zum Beispiel, kann viele der Aufgaben so auf Anhieb auch nicht lösen. ...Englisch, nicht Mathe! Das ist der Test, bei dem also selbst Amerikaner mit den Ohren schlackern und tausende Dollar bezahlen um an Vorbereitungskursen teilzunehmen. Ihr seht, wie so ziemlich alles hier ist auch die Aufnahme in ein Doktorandenprogramm zum Geschäft geworden :-( Bleibt mir nicht viel übrig als mitzuspielen und so steht der TOEFL am 23.09., der GRE am 23.10. ins Haus. Bis dahin gibt es viiiieeel zu tun. Hauptsächlich etliche Vokablen zu lernen, damit ich wenigstens die ein oder andere Frage verstehe (macht sich nicht so gut, wenn man bei einem Wort-Analogieproblem nicht eine einzige Vokabel kennt).
Abgesehen davon läuft die Schule für mich soweit dieses Jahr ganz gut (knock on wood). Das zweite Jahr ist definitiv einfacher, in so vielerlei Hinsicht. Es ist schön, dass einen die Schüler jetzt kennen und man in vielen Fällen eine persönlichere Beziehung zu den Schülern hat als nur ihre Gesichter zu sehen und ihre Aufsätze zu kontrollieren. Ich unterrichte 5 Psychologiekurse und einen Kurs in Konfliktentstehung und -bewältigung und es ist sooooooooooooooo viel angenehmer, das zu unterrichten, was man kann :) Es macht dieses Jahr also (bis jetzt zumindest) viel mehr Spass als letztes Jahr.

An Wochenenden haben wir den Rest des Sommers genutzt um zum White Water Rafting zu fahren (ein Erlebnis und echter Adrenalin-Schuss!), die Seen der Umgebung zu erkunden, ein bisschen Laufen zu gehen und zu grillen. Letztes Wochenende haben wir Patricks Geburtstag gefeiert und dieses Wochenende scheint das Endes des Sommers zu markieren. Es ist jetzt schlagartig auf 20-24 Grad "abgekühlt", es ist trüber, regnerischer und die Nächte sind sehr viel kälter. Am Montag haben wir frei, da es Feiertag ist: Labor Day. So ziemlich der letzte Feiertag vor meinen Herbstferien am 20. und 23.10... :-(
Sollte ich es noch nicht erwähnt haben: Der Sommer ist zweifelsohne vorbei, in jeglicher Hinsicht, und wir steuern geradewegs auf Weihnachten zu (zumindest in Supermärkten wurde Halloween schon eingeleitet und dann fehlt nicht mehr viel, bis die künstlichen Weihnachtsbäume überall aufleuchten und man "jungle bells" an jeder Straßenecke bis zum Erbrechen hört).

Das sind also unsere Neuigkeiten in aller Kürze und Länge zugleich.

Bilder kommen, ich versprech's!

Bis aud bald liebe Grüße in die Heimat, Lydia

2 comments:

Anonymous said...

Hallo Blanco-Amerikanerin

Ich lese mit Schrecken, dass sogar Du nach soviel Englischerfahrung mit den Tests dort struggelst.
Ich wuensche Dir jedenfalls viel Glueck und Erfolg!
Ich habe gerade einen Artikel gelesen, den ich ganzschoen erschreckend finde. Da musste ich irgendwie an Dich denken und hab mich an unsere Unterhaltungen erinnert und, dass Du bei solchen Themen genauso hochgehen kannst wir ich.
Ich schicke Dir mal einen Link und wuerd mich freuen, wenn Du trotz des ganzen Stress mal reinguckst.
www.guardian.co.uk/g2/story/0,,1864180,00.html
Naja das mit den links kann ich noch nicht so. Ich hoffe, dass die Adresse stimmt.
Also dann
Alles Liebe
Bine

Patrick & Lydia said...

Hello there :)

Danke für den link, hat geklappt. Hab' ich gerade gelesen und bin irgendwie in zweifacher Hinsicht geschockt...zum einen, dass das in so häufig auftritt und zum zweiten, dass gesetzlich weiter über Körper und Lebensstil von Frauen entschieden werden soll. Vielleicht sollte man erst einmal an Vorsorge, Krankenversicherung, (Aus)bildung und Aufklärung denken!? Was denkst Du? Sind die Briten auch so schräg drauf wie die Amis??

Freu' mich immer auf und über Nachricht. Liebe Grüße auf die Insel von "across the pond", Lydia :)