Heute also durfte ich nach 6 Jahren mal wieder beweisen, dass ich Englisch lesen, sprechen und verstehen kann. Und das für schlappe $150 . Der TOEFL (Test of English as a foreign language) wurde gerade überarbeitet und hat meiner Meinung nach nur noch sehr wenig mit dem alten TOEFL zu tun. Der war seiner Zeit wirklich machbar, da er einen Grammatikteil hatte, den man nach 5 Jahren Schulenglisch zumindest zufriedenstellend, mit etwas Übung auch richtig gut, bestehen konnte. Das ist jetzt anders. Jetzt muss man prompt auf unbekannte Fragen antworten und Diskussionen mündlich zusammenfassen (mit 15 -30 (!) Sekunden Vorbereitungszeit und zwischen 40-60 Sekunden Sprechzeit). Aufsatz schreiben, lesendes und hörendes Verstehen sind geblieben... meiner Meinung nach aber auch mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad. Jetzt könnte man meinen, dass das nach 1.5 Jahren im Land alles kein Problem mehr sein sollte. Doof ist nur, dass die Texte und Tonaufnahmen nichts mit dem wahren Leben zu tun haben. Das sind megalange, trockene Texte über Mars und Krater auf dem Mond und wie und wann die entstanden sind, welche Beweise es für Mikroorganismen mit witzigen Namen gibt, wie die Städte der Maya aufgebaut waren, welche Agrartechniken sie verwendeten, usw.. Alles aber so vollgestopft mit vagen Aussagen und abartigen Vokabeln, die oft ziemlich fachspezifisch sind, dass man das ganze 5 Mal lesen muss (und dann keine Zeit mehr hat, alle Fragen zu durchdenken :-(). Nun ist es wenigstens vorbei und wir werden sehen, was ich vollbracht habe. In ca. 10 Tagen kriege ich die Ergebnisse angeblich zugeschickt.
Nach all der Methodikausbildung im Studium habe ich ja so meine Bedenken, dass der neue Test wirklich soooo viel besser ist, aber darum geht es wohl nicht. Irgendwie kann es ja nicht nur Aussprache messen, wenn ich jemandem 15 Sekunden Zeit gebe, sich darauf vorzubereiten über eine Lieblingserfahrung aus der Kindheit zu berichten oder dazu Stellung zu beziehen, dass fremd Städte am besten durch die Besichtigung von Denkmälern entdeckt werden. Und irgendwie kann es auch nicht so toll sein, dass ich den Typen neben mir beim Sprechen so laut höre, dass ich meinen hörendes Verstehen Text nicht verstehen kann oder extrem abgelenkt bin. Anhalten kann man den Test natürlich nicht, wenn man Durst, Schnupfen, Hunger oder zu viel Kaffe getrunken hat, hat man eben mal für 2.5 Std ein Problem...bis man dann satte 10 min (!) Pause hat. Zusätzlich ist jetzt alles am Computer zu bearbeiten und selbst wenn wir im Zeitalter der Technik leben, beschleicht mich das Gefühl, dass da ein kultureller "Bias" existiert. Bestes Beispiel: eine Afrikanerin heute konnte nicht schnell genug auf dem Computer schreiben, um ihre zwei Aufsätze in der vorgegebenen Zeit einzutippen. Eine Wahl hat man nicht mehr, Extrawürste werden auch nicht gebraten. Meine Meinung zu diesen ganzen Tests hat sich also nicht geändert, im Gegenteil. Ich verstehe die Notwendigkeit, die vielen Einwanderer und Bewerber an Unis so gut auszusuchen (und ehrlich: auszusieben) wie möglich, aber $150 für Texte, mit denen keine Sau im Alltag 'was zu tun hat und die Leute wie ich im Leben sicher nicht mehr lesen müssen und Sprachproben zu meiner Kindheit an der Ostsee, nachdem ich hier 1.5 Jahre unterrichtet habe...das ist doch irgendwie Scheibenkleister. Na ja. Wen interessiert bei den Massen der Einzelfall? Versteh' schon. Witzig ist nur, dass die Amerikaner selbst ohne Frage oft schlechteres Englisch sprechen als so manche(r) Ausländer(in), den/die ich getroffen habe. Vielleicht sollten die Abzocker bei ETS (Educational Testing Service... die entwickeln diese Tests und zocken dafür die Millionen ab, da wirklich jede Uni traditionell von Ausländern diese Ergebnisse sehen will) sich mal überlegen, den "TOENL" einzuführen: Test of English as a native language :) Ich wette, da würden mehr Leute durchfallen, als beim TOEFL.
Letzte Anekdote: Die Heimfahrt. Den ganzen Tag hat es geschüttet als wäre es die Apokalypse. Aus mir unerfindlichen Gründen können die Autofahrer hier in Tennessee (und landesweit?) bei extremen Regen natürlich nicht auf die Bremse treten und so sind bei diesem Wetter etliche Unfälle vorprogrammiert. Das heisst Chaos auf den Straßen ... nicht zuletzt, weil der Regen das Land, und vor allem die Straßen, in eine Seenlandschaft verwandelt. Ohne Mist - entweder es hat in Deutschland so nie geregnet, oder die Straßen zu Hause sind besser gebaut, denn sowas habe ich noch nie erlebt. Richtig tiefe Pfützen, teilweise ganze Straßen- und Autobahnabschnitte überdeckend. "Aquaplaning vom Feinsten" kann ich da nur sagen. Kann mir da auch nicht verkneifen zu sagen, dass das (nebst anderen für ein so entwickeltes Land unfassbaren Phänomenen) eben passiert, wenn man Gott-weiss-wie viele Milliarden Dollar jährlich für das Bombardieren anderer Länder (für deren Freiheit und Demokratie, nicht deren Öl... ja, ja) in den Wind schiesst.
So, genug gemeckert. Jetzt werd' ich mir mit Patrick 'nen ruhigen Abend machen (er ist gerade aus Chicago wiedergekommen) ... Mehr später... Tschüß :)
Saturday, September 23, 2006
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1 comment:
I'm sure you did awesome, girl! :)
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