Monday, July 28, 2008
Knoxville in den Nachrichten
Im ersten Moment kommt einem da vielleicht der Gedanke "na klar, mal wieder ein Amoklauf in den USA...noch dazu in einer Kirche, wie passend" (ging mir auch so). Die Sache hier ist nur, dass diese Kirche zur Abwechslung das tat, was Kirchen meinem Verstaendnis nach tun sollten: Sie akzeptiert Menschen jeglicher Glaubensrichtungen, und es dreht sich alles um Akzeptanz, Gleichberechtigung und Naechstenliebe, die nicht nur gepredigt, sondern zur Abwechslung auch mal umgesetzt wird. Diese Kirche (Uniterian Universalists, eine landesweite Ausrichtung) ist eigentlich weniger eine Kirche und mehr ein Ort, an dem die zusammenkommen koennen, die Veraenderung wollen (sie gilt z.B. auch nicht als christlich, sondern als spiritueller Ort). Sie ist sehr aktiv im Umweltschutz, in Arbeit mit und fuer Minderheiten, in Freiwilligenarbeit, und in der Arbeit fuer die Gleichberechtigung Homosexueller (ein immer noch wahnsinnig grosses Problem fuer viele Amerikaner). Und genau da lag auch fuer diesen Mann das Problem. Es stellt sich heute heraus, dass das Motiv Hass auf Liberale und Homosexuelle war. Der gute Mensch war wohl ein Vietnam-Veteran und arbeitslos und als man ihm die Sozialhilfe gestrichen hat (was, das moechte ich anmerken, die Republikaner immer verlangen, da der Staat bitte nicht die Faulen fuettern soll) war der Frust so gross, dass das Schild an der Kirche, das Schwule zum woechentlichen Treffen einlud, das Fass zum Ueberlaufen brachte. Das ist erschreckend und beaengstigend auf so vielen Ebenen, ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll. Und gerade als ich den Kopf wieder in den Sand stecken wollte, weil tatsaechlich Leute den Taeter als Maertyrer behandeln und auf Zeitungswebsiten seinen Akt loben, und weil wieder die Stimmen derer laut werden, die meinen, das Problem der Amoklaeufer koenne man ganz einfach dadurch loesen, dass man jedem eine Waffe gibt...gerade in dem Moment sind wir zu einem Gedaechtnisgottesdienst fuer die Opfer gegangen. Und zum ersten Mal hatte ich das Gefuehl, dass alle die, die etwas Verstand in Knoxville haben sich in einem Gebaeude versammelt hatten (wohlbemerkt eine Kirche, und nicht die Uni...raeusper, raeusper).
Das Land ist so gespalten und wenn man den falschen Fernseh- oder Radiosender anschaltet, dann kommt einem so viel Idiotie und Hass entgegen, das ist fuer europaeische Verhaeltnisse wirklich nicht vorstellbar. (Dagegen ist die Bild Zeitung journalistisch anspruchsvoll. ) Auch in den hoffnungsvolleren Zeiten eines afroamerikanischen Praesidentschaftskandidaten und einer Praesidentschaft auf deren Ende selbst nun 70% der Amerikaner hoffen und warten teilen sich die Meinungen zu Themen wir Erderwaermung, Klimawandel, Abtreibung, Homosexualitaet, Waffen, Gesundheitssystem und Krieg so sehr, dass beide Extreme voll ausgefuellt sind. Man kann in diesen Tagen in den USA nicht "nicht politisch" sein. Wie ich schon einmal berichtete ist die politische Einstellung fast zur zweiten Hautfarbe geworden...die Menschen tragen TShirts mit Spruechen, die ihre politischen Einstellungen wiedergeben, sie wohnen in anderen Stadtteilen und kaufen bei anderen Geschaeften ein, sie gehen in andere Kirchen, gucken andere Fernsehsender, hoeren andere Radiosender; sie fahren andere Autos und der Obama- oder Bush- oder McCain-Aufkleber am Auto ist so gut wie Pflicht.
Aber so unterentwickelt, zurueckgeblieben und unfassbar fuer mich die Meinungen einiger hier sind, so sehr muss man auch von denen berichten, die ein anderes Amerika wollen. Die keine Lust mehr auf Weltpolizeigetue haben, die keine Lust mehr auf Kriege und Luegen und hirnamputierte Praesidenten haben; die wissen, dass ein oeffentliches Gesundheitssystem dringend her muss, dass oeffentliche Verkehrsmittel gebaut werden muessen, dass in Bildung und alternative Energie investiert werden muss, dass Rassen- und Geschlechtsunterschiede vom System geschaffen und aufrecht erhalten werden, und und und. Bei allem Schock und allem Unverstaendnis habe ich heute abend hunderte allein hier in Knoxville (was durchaus als provinziell und konservativ gelten kann) gesehen, die ihr Land momentan auch schwer krank finden und hoffen, dass der kommende November drastische Veraenderungen und etwas Heilung bringt...
Friday, July 25, 2008
Geburtstage & Besuche
Geburtstage.
Mir ist in de letzten Wochen aufgefallen, dass Juli einer der geburtstagsintensivsten Monate ist. Jede Woche gab es ein paar Geburtstage von Nachbarn, Grosseltern (liebe Oma: herzlichen Glückwünsch an Dich heute!), Freunden, Bekannten, Geschwistern, und es gab sogar Neuankömmlinge (Janne: Herzlich willkommen!).
Einen dieser Geburtstage haben wir letzte Wochenende mit einem "Maskeradenball" gefeiert (siehe Fotos)...
Besuche.
Unsere Freunde Thunder & Emily (über denen wir in Nashville bis zu unserem Umzug gewohnt haben und die seit Januar stolze Eltern der kleinen Mya sind) haben uns am Wochenende besucht, was sehr nett war (und unser Haus mal wieder auf Babytauglichkeit getestet hat...Note: befriedigend). Knoxville ist klein genug um sich einen recht guten Überblick in wenigen Stunden (wenn überhaupt) zu verschaffen, so dass wir viel Zeit hatten ein paar neue Restaurants zu testen (Note: gut bis sehr gut) :) Hier ein paar Fotos:
Und noch einen wichtigen Besuch gab es diese Woche natuerlich: Barack Obama in Berlin. Schade, dass ich das nicht miterlebt habe...ist schon komisch Berlin hier ueberall in den Medien zu sehen und sich (mich) so weit weg zu wissen. Der Gedanke "Na, los, lass uns in die U Bahn und zum Brandenburger Tor fahren" kam automatisch und dann erst kam die Einsicht, dass ich momentan tausende von Kilometern von der nächsten UBahn entfernt bin. Was aber viel wichtiger ist ist die Tatsache, dass der Besuch Obamas von den Medien sehr gut aufgenommen wurde (wie es scheint). Das freut mich, da ich in den letzten Wochen vor allem in den deutschen Medien doch auch etwas Skepsis vernommen habe. Es scheint aber als wären sich die amerikanischen und deutschen Medien einig darin, dass Obama und seine Rede sehr gut aufgenommen wurden, dass er sehr charismatisch und professionell ist...und dass er vielleicht doch das Zeug zum Präsidenten hat. Hoffen wir, dass das die Mehrheit der Amerikaner im November auch so sieht.
Batman.
Ja, Batman. Auch die Nachrichten ueber diesen Wahnsinns-Kassenschlager habe ich ueberall gesehen und, jawohl, Patrick und ich waren am Montag abend auch im Kino nachdem alle Welt um uns herum zu den allerersten Mitternachtsvorstellungen war und geschwärmt hat. Zu Recht. Ich weiss nicht viel ueber Batman und konnte mich fuer vorherige Filme auch nie wirklich begeistern. Aber bei diesem muss man sagen, dass er zu Recht (sehr) gute Kritiken bekommt (Heath Ledger wird wirklich nicht umsonst fuer seine Darstellung des Jokers hoch gelobt). Ein sehr langer, aber keineswegs einseiger oder unbedingt vorhersehbarer Film. Wer nur ein kleines bisschen was fuer Batman uebrig hat, kann sich durchaus aufs Kino freuen.
Arbeit.
Alles beim Alten. Patrick schreibt an seiner Dissertation (er fliegt in einer Woche wieder nach Chicago um weiteres Material aus den Archiven auszugraben) und ich quaele mich mit meinem Sommerkurs in multivariater Statistik rum. So viele Hausaufgaben und Klausuren habe ich seit dem Abitur nicht mehr geschrieben. Dumm nur, dass ich an so manchen Tagen nicht das Gefuehl habe, auch analog viel zu verstehen. Bei der ganzen Arbeit ist der Sommer fast spurlos an uns vorbeigezogen, scheint es machmal. Ich kann kaum glauben, dass es schon Ende Juli ist und die eigentliche Uni offiziell wieder am 20.08. losgeht :(
Jetzt ist aber erst einmal Wochenende... auf bald...macht's gut!
Monday, July 14, 2008
Wednesday, July 09, 2008
Fotos, Fotos, Fotos
2. Chicago
3. Der 4. Juli
Friday, July 04, 2008
Das deutsche Gesundheitssystem/ The German health care system
An NPR story about the German health care system. I used to think there were serious problems with it, but compared to what I've heard and seen in the States over the last three years, I think NPR is on to something here... Let's hope that November brings a change for the better in that area, too.
Independence Day
Soviel für den Moment... mehr später, hoffentlich mit ein paar Fotos unseres zweiten 4.Julis in Knoxville.

