Friday, September 29, 2006

WTF!?

Something tells me I should get another blog for my every-day ranting and raving about life in English. I just feel I've written in German a lot and this has sort of become the platform for keeping the world aborad up to date while so much "small stuff" is going on here every day. Somehow it seems I'm trying to combine two different purposes in one blog...do you know what I mean? Anyway...Now, this is kind of sad, but my creative me has left me hanging here, searching for a meaningful, yet witty, title. Therefore starting another blog at this point is just too time and energy consuming. Life can be so complicated ;-). Alas, for now I'll just throw it in here and keep mixing the English and the German for a little longer.

So I found out about a movie the other day that made me want to blog about it immediately, because I was so outraged: www.jesuscampthemovie.com. Just watching the trailer made me be so lost for words and left me in a state of complete disbelief, rage, sadness, disappointment and hopelessness, really. I ended up just crying (might have been hormones more than the movie, but it certainly set it off), because my head seems be too small or simply not wired for such thinking. The worldview depicted escapes me entirely and I doubt I will ever be able to grasp it. Kids talking like adults about "being saved" and how living a "Christian life" (no offense..but isn't that kind of an empty, malleable, somewhat convoluted phrase?) is "the right thing to do". All the tal about truth and being right and being saved and how everyone else is wrong and lost and will go to hell ...unless, of course, they find "the light" in this right wing church. To me, all I saw was darkness. Right and wrong implies so much judgment and so little tolerance, so little encouragement for diversity. What upsets me most every time is how militaristic these churches are, how war is supported, how war is just, how soldiers fight for freedom, etc. without ever seeing the other side. Without acknowledging that "they" are humans, too. And, most of all, without acknowledging that war is killing, it's destructive, it's inhumane. Period. I really don't want to hear all the bullshit excuses about freedom and democracy when hundreds of people get killed, injured, uprooted by war every single day. How exactly does that stand in agreement with christianity? So, we can't abort a baby because that's killing, but we can go straight ahead and bomb the shit out of other countries, killing tons of INNOCENT people, including babies (since innocence is always the response to why the death penalty is okay, but abortion isn't). Anyway. I'm not sure I want to see that movie. I have a feeling that would be biting off more than I could chew. I know this is out there and I've found myself wanting to bang my head against the wall about political and social issues many times since I've moved here...but certain lines I'm apparently not ready to cross yet. I'm afraid I'd lose hope, become cynical to the point of no return, or just get updet to the point of aggression, which really doesn't stand in agreement with my goal of being a nonviolent person wherever, whenever and as often as I can.

To finish on a lighter note, I was introduced to a short videoclip the other day that is REALLY funny (or is it?). Check it out: www.endofworld.net

I'm off to bed... good night!

Saturday, September 23, 2006

TOEFL und andere Katastrophen

Heute also durfte ich nach 6 Jahren mal wieder beweisen, dass ich Englisch lesen, sprechen und verstehen kann. Und das für schlappe $150 . Der TOEFL (Test of English as a foreign language) wurde gerade überarbeitet und hat meiner Meinung nach nur noch sehr wenig mit dem alten TOEFL zu tun. Der war seiner Zeit wirklich machbar, da er einen Grammatikteil hatte, den man nach 5 Jahren Schulenglisch zumindest zufriedenstellend, mit etwas Übung auch richtig gut, bestehen konnte. Das ist jetzt anders. Jetzt muss man prompt auf unbekannte Fragen antworten und Diskussionen mündlich zusammenfassen (mit 15 -30 (!) Sekunden Vorbereitungszeit und zwischen 40-60 Sekunden Sprechzeit). Aufsatz schreiben, lesendes und hörendes Verstehen sind geblieben... meiner Meinung nach aber auch mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad. Jetzt könnte man meinen, dass das nach 1.5 Jahren im Land alles kein Problem mehr sein sollte. Doof ist nur, dass die Texte und Tonaufnahmen nichts mit dem wahren Leben zu tun haben. Das sind megalange, trockene Texte über Mars und Krater auf dem Mond und wie und wann die entstanden sind, welche Beweise es für Mikroorganismen mit witzigen Namen gibt, wie die Städte der Maya aufgebaut waren, welche Agrartechniken sie verwendeten, usw.. Alles aber so vollgestopft mit vagen Aussagen und abartigen Vokabeln, die oft ziemlich fachspezifisch sind, dass man das ganze 5 Mal lesen muss (und dann keine Zeit mehr hat, alle Fragen zu durchdenken :-(). Nun ist es wenigstens vorbei und wir werden sehen, was ich vollbracht habe. In ca. 10 Tagen kriege ich die Ergebnisse angeblich zugeschickt.
Nach all der Methodikausbildung im Studium habe ich ja so meine Bedenken, dass der neue Test wirklich soooo viel besser ist, aber darum geht es wohl nicht. Irgendwie kann es ja nicht nur Aussprache messen, wenn ich jemandem 15 Sekunden Zeit gebe, sich darauf vorzubereiten über eine Lieblingserfahrung aus der Kindheit zu berichten oder dazu Stellung zu beziehen, dass fremd Städte am besten durch die Besichtigung von Denkmälern entdeckt werden. Und irgendwie kann es auch nicht so toll sein, dass ich den Typen neben mir beim Sprechen so laut höre, dass ich meinen hörendes Verstehen Text nicht verstehen kann oder extrem abgelenkt bin. Anhalten kann man den Test natürlich nicht, wenn man Durst, Schnupfen, Hunger oder zu viel Kaffe getrunken hat, hat man eben mal für 2.5 Std ein Problem...bis man dann satte 10 min (!) Pause hat. Zusätzlich ist jetzt alles am Computer zu bearbeiten und selbst wenn wir im Zeitalter der Technik leben, beschleicht mich das Gefühl, dass da ein kultureller "Bias" existiert. Bestes Beispiel: eine Afrikanerin heute konnte nicht schnell genug auf dem Computer schreiben, um ihre zwei Aufsätze in der vorgegebenen Zeit einzutippen. Eine Wahl hat man nicht mehr, Extrawürste werden auch nicht gebraten. Meine Meinung zu diesen ganzen Tests hat sich also nicht geändert, im Gegenteil. Ich verstehe die Notwendigkeit, die vielen Einwanderer und Bewerber an Unis so gut auszusuchen (und ehrlich: auszusieben) wie möglich, aber $150 für Texte, mit denen keine Sau im Alltag 'was zu tun hat und die Leute wie ich im Leben sicher nicht mehr lesen müssen und Sprachproben zu meiner Kindheit an der Ostsee, nachdem ich hier 1.5 Jahre unterrichtet habe...das ist doch irgendwie Scheibenkleister. Na ja. Wen interessiert bei den Massen der Einzelfall? Versteh' schon. Witzig ist nur, dass die Amerikaner selbst ohne Frage oft schlechteres Englisch sprechen als so manche(r) Ausländer(in), den/die ich getroffen habe. Vielleicht sollten die Abzocker bei ETS (Educational Testing Service... die entwickeln diese Tests und zocken dafür die Millionen ab, da wirklich jede Uni traditionell von Ausländern diese Ergebnisse sehen will) sich mal überlegen, den "TOENL" einzuführen: Test of English as a native language :) Ich wette, da würden mehr Leute durchfallen, als beim TOEFL.

Letzte Anekdote: Die Heimfahrt. Den ganzen Tag hat es geschüttet als wäre es die Apokalypse. Aus mir unerfindlichen Gründen können die Autofahrer hier in Tennessee (und landesweit?) bei extremen Regen natürlich nicht auf die Bremse treten und so sind bei diesem Wetter etliche Unfälle vorprogrammiert. Das heisst Chaos auf den Straßen ... nicht zuletzt, weil der Regen das Land, und vor allem die Straßen, in eine Seenlandschaft verwandelt. Ohne Mist - entweder es hat in Deutschland so nie geregnet, oder die Straßen zu Hause sind besser gebaut, denn sowas habe ich noch nie erlebt. Richtig tiefe Pfützen, teilweise ganze Straßen- und Autobahnabschnitte überdeckend. "Aquaplaning vom Feinsten" kann ich da nur sagen. Kann mir da auch nicht verkneifen zu sagen, dass das (nebst anderen für ein so entwickeltes Land unfassbaren Phänomenen) eben passiert, wenn man Gott-weiss-wie viele Milliarden Dollar jährlich für das Bombardieren anderer Länder (für deren Freiheit und Demokratie, nicht deren Öl... ja, ja) in den Wind schiesst.

So, genug gemeckert. Jetzt werd' ich mir mit Patrick 'nen ruhigen Abend machen (er ist gerade aus Chicago wiedergekommen) ... Mehr später... Tschüß :)

Sunday, September 17, 2006

Technik macht's möglich

Angestiftet durch meinen Bruder habe ich mir gestern eine dieser Computer-Kameras gekauft (sind gar nicht SOOO teuer... um die €/$ 20-30). Soeben habe ich die neue Technik ausprobiert und mit gesamter Familie in Hönow und Erfurt via Internet telefoniert...mit Video :) Jetzt kann ich also die Lieben daheim (und sie mich) sehen, wenn wir (übrigens kostenlos) über das Internet telefonieren. Falls ihr Zeit und Lust dazu habt...am besten ein Konto bei Skype (einfach mal "googlen") einrichten & los geht's. Tolle Sache, wirklich. Hab' ja im letzten Jahr viel über Technik gelernt (mit reichen Vorstadtkindern zu arbeiten erteilt einem auch in dieser Hinsicht eine Lektion ;-)), aber irgendwie bin ich nach wie vor nachhaltig begeistert von all den Dingen, die die Technik ermöglicht. Da kann ich meine Leute, die tausende von km weit weg sind hören & sehen ohne eine Pfennig (cent) dafür zu bezahlen. Über einen riesigen Ozean, Berge, Länder und weiss-Gott-was hinweg.

Also gut, genug geschwärmt. Vielleicht hat ja der/die eine oder andere Lust, sich auch anzumelden... !? Dann können wir auc auf diesem Wege immer mal hallo sagen.

So, muss los. Habe meine Arbeit vergangene Woche an der Schule nicht geschafft. Daher machen wir jetzt fix einen Sonntagsausflug an die Schule, damit ich halbwegs ohne Chaos und Schweißausbrüche in die Woche starten kann. Dummerweise habe ich vor Ewigkeiten auch im Eifer des Gefechts gesagt, ich würde einen Deutsch-Kurs für Erwachsene unterrichten (ganz in alter VHS Manier). Das fällt mir jetzt etwas auf die Füße, da das am Dienstag abend losgeht und ich im Moment mit TOEFL Test und Korrekturlesen und Vorbereiten eigentlich mehr als genug Arbeit habe. Ein weiterer Versuch, so viel wie möglich in einen Tag zu stopfen (müsste irgendwann mal lernen, dass das ziemlich schnell zu Unproduktivität und Frustration führt...aber von der Ferne sieht alles immer machbarer aus und irgendwie wird die Arbeit ja dann doch immer geschafft.)

Bis später. Ahoi...

Saturday, September 09, 2006

Vor dem Haarschnitt


before the haircut
Originally uploaded by LeeJ2609.
..siehe unten...

Ganz frisch


...and after the haircut
Originally uploaded by LeeJ2609.
...der Haarchnitt ist noch warm, so frisch ist er auf dem Bild. Nicht wahnsinnig aufregend, wie ich finde...aber na ja... Wie sagt man so schön "Nach dem Haarschnitt ist vor dem Haarschnitt" !? :-)

Der Morgen nach Haarscnitt & Alko... ähhh... Sushi (siehe Patricks Blick)

... auch hierzu mehr im folgenden Text...

butternut squash gnocchi - homemade

Ich konnte die Fotos nicht IN den unten geschriebenen Text einfügen, also folgen sie jetzt hier. Mehr zu all den Fotos also im folgenden Text...

Woche 4, Haarschnitt und Kater

Die Überschrift fasst die Neuigkeiten des Tages ziemlich deutlich zusammen: Schulwoche 4 ist vorbei (schon!), ich habe mich für einen Haarschnitt früh aus dem Bett gequält und Patrick liegt mit Kater (körperliche Verfassung, nicht Haustier) auf der Couch. Demnach habe ich etwas Zeit, ein bisschen zu schreiben...und diesmal gibt's auch Fotos! :-)

Schule zuerst: Es bleibt bei dem, was ich letzte Woche erzählt habe: Das zweite Jahr ist (soweit) definitiv einfacher als das erste. Vieles bereits einmal vorbereitet zu haben, zu wissen, wo man was findet, wen man fragen kann und nicht fragen sollte, wie man mit Problemschülern umgeht, was man sagt und besser einhält und was man besser gar nicht erst sagt oder ganz besonders deutlich sagen sollte, wie man wann was benotet und wie man sich aus studenlangem Benoten ein kleines bisschen rausscmuggeln kann, woran man ausserhalb der Schule teilnehmen MUSS und was man sich klemmen kann ... all das macht einen RIESEN Unterschied in diesem Jahr. Es ist immer noch viel Arbeit, aber es ist weniger Chaos, weniger Verwirrung, Zweifel, Ausprobieren. Eben routinierter. So kann ich mir schon vorstellen, dass das Lehrerdasein nach einiger Zeit definitiv seine Vorteile hat (obwohl ich mir noch nicht sicher bin, ob es nicht irgendwann vielleicht doch langweilig wird, das gleiche/ ähnliche Material Jahr ein Jahr aus zu unterrichten?).
Im Bereich kollegialer Freundschaften gibt's nach wie vor keinen Durchbruch, aber den rwarte ich irgendwie auch nicht mehr an einer katholischen Schule in einem kleinen Südstaaten-Vorort. Da dreht sich eben 'ne Menge um Gott und Jesus oder Einkaufen und...brandneu...Kinder kriegen. Alles schön oberflächliches Geplänkel, zumindest wenn es um gleichaltrige weibliche Kollegen geht. Nicht so meine Welt. Die Hoffnung, dass die beiden Freunde, die ich letztes Jahr hatte und die weggezogen sind, von ähnlich interessanten, netten, gleichgesinnten Männlein oder Weiblein "ersetzt" werden würden, ist somit auch nichts weiter als eine Hoffnung geblieben. Versteht mich nicht falsch, ich komme mit den Leuten schon gut klar und geh' auch mal 'nen Kaffee mit dem/ der einen oder anderen trinken, aber es ist eben nichts, was ich als echtes Freundschaftspotential einschätzen würde, wenn ich einmal nicht mehr dort arbeite. Das ist nach wie vor einer der schwierigsten Aspekte des hiesigen Daseins - tragfähige Freunschaften zu schliessen. Aber wie immer bin ich da vielleicht auch zu ungeduldig, denn Freundschaften zeichnen sich ja auch durch Zeit aus, wenn ihr wisst, was ich meine.
Abgesehen davon lässt mir die Schule dieses Jahr auch ein kleines bisschen Zeit für andere Dinge. So will ich ab Oktober wirklich endlich einen Yoga Kurs belegen und habe in den letzten Wochen angefangen, etwas mehr zu kochen und zu backen. Ich hatte, glaube ich, irgendwann vor langer Zeit mal erzählt, dass Patrick und ich Saisonanteile an einer Biofarm gekauft haben und dafür jetzt jeden Samstag eine Kiste Bio Obst und Gemüse abholen. Letzte Woche war ein riesiger Kürbis in der Kiste und jemand kam auf die Idee, dass man daraus ja Kürbis-Gnocchi machen könnte. Fand ich gut & hab' ich gleich probiert (siehe Foto). Hat EWIG gedauert, eine riesige Schüssel Teig zu Gnocchimurmeln zu formen, aber es hat auch Spass gemacht. Hat mich irgendwie an die Kindergartentage erinnert, an denen wir alles mögliche aus Knete geformt haben :-)

Tja, und sonst? Wir waren gestern abend bei Freunden von Patrick zum Sushi-Essen eingeladen, was dann eher in "Nimm noch 'nen Schluck" ausartete (der Gastgeber war Argentinier und hat den Sake irgendwie zu einer massiven Portion Caipi verarbeitet...den wir getrunken haben NACHDEM wir schon Bier und Wein und Tequila intus hatten und BEVOR wir zum eigentlichen Sushi-Essen kamen). Resultat: Ich musste irgendwann auf die Bremse treten, da einer Autofahren musste und Patrick definitiv nicht mehr dazu in der Lage war. Jetzt liegt er auf der Couch und jault über billigen Fusel, starke Kopfschmerzen und versichert, in nächster Zeit keinen Alkohol mehr sehen zu wollen :)
Ich habe mich heute früh trotzdem aus dem Bett gequält um mir meine Haare endlich schneiden zu lassen (hatte ich schon lange vor). Dumm nur, dass ich mir nicht so richtig die zeit genommen habe darüber nachzudenken, welchen Schnitt ich eigentlich wollte. Um genau zu sein, wollte ich auch "nur" einen Schnitt, aber in einer Länge, dass ich sie trotzdem noch zusammenbinden und langwachsen lassen könnte. Na ja, und irgendwie muss ich die Idee mit den Fransen nicht so richtig rübergebracht haben, denn ich finde, es sieht nun zwar kürzer und "schnittiger", aber noch genauso langweilig aus, wie vorher :( Patrick findet's gut und ich find's auch nicht furchtbar, aber irgendwie auch nicht so, dass ich denke "wow, das isses". Ich schätze ich kann's in ein paar Wochen nochmal versuchen, wenn ich weiss, was ich eigentlich will.

So, nun müssen wir los, unsere neue Schwägerin in spe treffen. Patricks Stiefbruder heiratet im März. Ist auch 'ne tolle (?) Geschichte... erinnert mich mal, die noch zu erzählen, denn irgendwie ist das alles typisch amerikanisch-christlich verklemmt und kitschig.

Hier noch die Fotos von meinen Gnocchi und dem Haarschnitt (im tollen "vorher" und "nachher" Format, um den Wahnsinnsunterschied zu verdeutlichen ;-)).

Auf bald, macht's gut, Lydia

Sunday, September 03, 2006

Neues Schuljahr, neues Glück

Jetzt ist es schon fast wieder eine kleine Ewigkeit her seit meinem letzten Eintrag. Das ist indirekt ein Indiz für all die Dinge, die in seit Mitte August hier passiert sind. Das klingt dramatischer als es ist, denn am Ende läuft es "nur" darauf hinaus, dass das Schuljahr/ Semester für uns beide wieder begonnen hat. Für mich ging der Alltag am 04.08., das Unterrichten am 11.08., los. Für Patrick fing das Semester am 23.08. wieder an. Das ist das letztes Semester mit Kursen, die er belegt. Größtenteils unterrichtet und zensiert er für eine Professorin. Im Januar stehen seine großen Prüfungen an, das Examen, wenn man so will. Die letzte große Bühnenprobe vor der Verteidigung der Dissertation... und das dauert noch ein wenig. Bis dahin, so hat er vor wenigen Tagen erfahren, will sein neuer Doktorvater, dass er 100 Bücher zum Thema liest (bzw. deren Inhalt kennt), 2 Vorlesungen schreibt und hält und zwischenduch immer wieder kurze Hausarbeiten einreicht. All das zusätzlich zu den Kursen, die er noch belegt, zum besagten Zensieren und Lehren und zum Vorbereiten auf Konferenzen, auf die er als guter Doktorand natürlich auch fahren soll. An dem Abend habe ich Patrick so ziemlich das erste Mal leicht panisch gesehen... Nun sitzt er also regelmässig und versucht sein Soll zu erfüllen.
Mir geht es ähnlich, was einerseits daran liegt, dass ich jetzt 6 Kurse (a 3x 70 min. pro Woche) unterrichte, vorbereite und benote (das Beste an allem ...und das meine ich NICHT ernst). Andererseits liegt es auch daran, dass ich mich nach langem Rangen selbst entschieden habe, mich noch einmal für die Uni zu bewerben. Für Doktorandenprogramme in Sozialpsychologie mit meinem alten Schwerpunkt in Konflikt- & Friedenspsychologie oder Intergruppenbeziehungen ganz allgemein. Das ist ein großes Vorhaben und ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das auch wirklich will. Es handelt sich hier um gute 6-8 weitere Jahre straffes Unileben ohne nennenswerte Bezahlung. Trotzdem ist es etwas, das ich lange mit mir rumgetragen habe und das mich immer neugierig lassen würde. Also habe ich mich dieses Jahr entschlossen es zu versuchen, damit die liebe Seele Ruh' findet und ich zumindest nicht sagen kann, ich habe es nicht versucht. Ich bin da so vorsichtig, da ich mir ganz ehrlich relativ bescheidene Chancen einräume, sofort angenommen zu werden (und das wäre dann auch in Ordnung, da es eben nicht das ist, worauf ich mich auf Gedeih und Verderb "berufen" fühle). Ich habe es sicher schon erwähnt, aber Doktorandenprogramme (vor allem, aber nicht nur, in Psychologie) sind heiss begehrt und es werden im Durchschnitt von 300-800 Bewerbern (je nach Uni) 2-8 genommen. Also im Durchschnitt etwa 1:100, an manchen Unis eher 1:200 oder sogar 1:250. Zur Bewerbung gehören eine Gebühr, ein Bewerbungsschreiben, 3 Empfehlungsbriefe, alle Zeugnisse und detailierten Kursbeschreibungen des Grund- und Hauptstudiums und zu meinem Übel der TOEFL (Test of English as Foreign Language) sowie der GRE (Graduate Record Examination). Letztere sind standardisierte Tests, die man in 4-Stunden-Sitzungen am Computer macht, nachdem man ein Schweinegeld dafür bezahlt hat ($130, bzw. $150 jeweils). Ich habe beide bereits vor Jahren hinter mich gebracht, aber da es eine fetzige Geldquelle ist und die Forschung auch Geld kostet (zugegeben), sind die Werte nur 2 (TOEFL), bzw. 5 (GRE) Jahre gültig und beide sind in meinem Falle abgelaufen. Somit sitze ich nun und lerne erneut. Man sollte meinen, in den TOEFL könnte ich einfach reinmarschieren, aber so einfach ist das nicht (mehr). Der Test wurde gerade überarbeitet und die Übungsversion, die ich vor einigen Tagen probiert habe, war alles andere als kinderleicht. Es gibt jetzt 4 Teile: Hörendes Verstehen, Lesendes Verstehen, Sprechen (nach 10-30 Sek Vorbereitungszeit auf ein Argument stimmig reagieren) und Schreiben. Früher gab es einen Grammatikteil und der war mit etwas Übung wirklich nicht schwer. Jetzt ist es also sehr viel angewandter, was einserseits gut, andererseits auch nicht so gut ist, weil man sich weniger klar darauf vorbereiten kann (meine ich). Der GRE ist dann die Krönung. Der Test besteht aus 3 Teilen: Englische Sprache, Mathematik und logisches Argumentieren in einem Aufsatz. Vor allem der Sprachteil ist unheimlich schwer, da er einzig und allein aus Fremdwörterbuch-Vokabeln besteht, die man als Nicht-Muttesprachler in 97% der Fälle noch NIE gehört oder gesehen hat. Da hilft auch kein Latein und da kann man, glaube ich, 20 Jahre im Land gelebt haben und das würde sich nur unerheblich ändern. Patrick, zum Beispiel, kann viele der Aufgaben so auf Anhieb auch nicht lösen. ...Englisch, nicht Mathe! Das ist der Test, bei dem also selbst Amerikaner mit den Ohren schlackern und tausende Dollar bezahlen um an Vorbereitungskursen teilzunehmen. Ihr seht, wie so ziemlich alles hier ist auch die Aufnahme in ein Doktorandenprogramm zum Geschäft geworden :-( Bleibt mir nicht viel übrig als mitzuspielen und so steht der TOEFL am 23.09., der GRE am 23.10. ins Haus. Bis dahin gibt es viiiieeel zu tun. Hauptsächlich etliche Vokablen zu lernen, damit ich wenigstens die ein oder andere Frage verstehe (macht sich nicht so gut, wenn man bei einem Wort-Analogieproblem nicht eine einzige Vokabel kennt).
Abgesehen davon läuft die Schule für mich soweit dieses Jahr ganz gut (knock on wood). Das zweite Jahr ist definitiv einfacher, in so vielerlei Hinsicht. Es ist schön, dass einen die Schüler jetzt kennen und man in vielen Fällen eine persönlichere Beziehung zu den Schülern hat als nur ihre Gesichter zu sehen und ihre Aufsätze zu kontrollieren. Ich unterrichte 5 Psychologiekurse und einen Kurs in Konfliktentstehung und -bewältigung und es ist sooooooooooooooo viel angenehmer, das zu unterrichten, was man kann :) Es macht dieses Jahr also (bis jetzt zumindest) viel mehr Spass als letztes Jahr.

An Wochenenden haben wir den Rest des Sommers genutzt um zum White Water Rafting zu fahren (ein Erlebnis und echter Adrenalin-Schuss!), die Seen der Umgebung zu erkunden, ein bisschen Laufen zu gehen und zu grillen. Letztes Wochenende haben wir Patricks Geburtstag gefeiert und dieses Wochenende scheint das Endes des Sommers zu markieren. Es ist jetzt schlagartig auf 20-24 Grad "abgekühlt", es ist trüber, regnerischer und die Nächte sind sehr viel kälter. Am Montag haben wir frei, da es Feiertag ist: Labor Day. So ziemlich der letzte Feiertag vor meinen Herbstferien am 20. und 23.10... :-(
Sollte ich es noch nicht erwähnt haben: Der Sommer ist zweifelsohne vorbei, in jeglicher Hinsicht, und wir steuern geradewegs auf Weihnachten zu (zumindest in Supermärkten wurde Halloween schon eingeleitet und dann fehlt nicht mehr viel, bis die künstlichen Weihnachtsbäume überall aufleuchten und man "jungle bells" an jeder Straßenecke bis zum Erbrechen hört).

Das sind also unsere Neuigkeiten in aller Kürze und Länge zugleich.

Bilder kommen, ich versprech's!

Bis aud bald liebe Grüße in die Heimat, Lydia