Die vergangene Woche war aufregend - ich hatte meine erste Gelegenheit, eine Vorlesung zu geben. So habe ich am Donnerstag also zum ersten Mal an einer Uni eine VL in Sozialpsychologie gegeben. Der Saal war nicht zu groß...ich schätze, es waren etwa 70 oder 80 Leute da. Ich muss sagen, das hat richtig Spaß gemacht und wenn ich könnte, würde ich gern meinen eigenen Kurs halten. Der Stein im Weg: Ein älterer Professor, der mal wieder seit Ewigkeiten da ist, selbst keine Veranstaltungen im Hauptstudium mehr hält, nichts publiziert, zu keinen Konferenzen fährt, aber für die Einführungsvorlesung verantwortlich ist und da nun seine Macht ausspielt. Einer dieser Typen, der geniesst, dass jede(r) an ihm vorbei muss. Er hält ein Seminar zur Universtätslehre, wo sich 9 Leute das ganze Semester lang gegenseitig Powerpointpräsentationen geben und die dann kritisieren. Mal ehrlich, alles, was man da lernt (Fragen aus dem Publikum für alle widerholen, Folien nicht zu klein und voll gestalten, Fremdwörter erklären, etc.), lernt man in 2 Stunden alleine vom Lehren. Aber egal. Die, die schon mal gelehrt haben, guckt er in seiner Sprechstunde böse an und bietet dann an, eine Veransaltung zu beobachten, wenn man sich irgendwo einen Platz als GastvorleserIn ergattert. Das habe ich also jetzt getan (zugegeben, der Sozial-Prof bot mir seine VL erst letztes Wochenende an) und als ich am Montag ins Büro des Diktators ging, sagte der gute Mann einfach nein. Glatt nein. Keine andere Möglichkeit, nicht mit Video, nicht mit anderen Beobachtern, nein. Er könne eben einfach nicht und ich mache das im Übrigen, weil das ein Teil meines Jobs sei, nicht weil ich einen Nutzen daraus ziehen könne. Arschloch. Sowas kotzt mich an - jetzt muss ich nächstes Semester diesen besch... Kurs belegen, der totale Zeitverschwendung ist und statt dessen ich einen (viel hilfreicheren) Pflichtkurs belegen könnte. Aber ich hab' ja Zeit. Deshalb brauchen Leute 6 Jahre zur Promotion, weil so ein Mist Teil des Ganzen ist. Mal ehrlich...
Abgesehen davon war die VL aber eine gute Übung für mich und hat mir gezeigt, dass Universitätskurse auch nicht sehr viel wilder sind als High School Kurse. Wenn man die hält, weiss man, wovon man redet und die meisten Studenten sitzen eh nur da und lassen sich berieseln. Ob 80 Leute oder ein Saal von 300 Leuten (da hab' ich letzte Woche eine Kommilitonin beobachtet) - es schlafen etwa 30, weitere 50 machen Kreuzworträtsel, gucken auf ihrem Laptop im Internet rum, hören von ihrem iPod oder quatschen. Alles beim Alten. Da zerfetzt einen keiner oder fragt schweisstreibende Fragen, soviel ist sicher. Mit anderen Worten bin ich mir ziemlich sicher, dass ich Lehre halten kann, auch ohne diesen überflüssigen Kurs. Um genau zu sein, würde ich schon im nächsten Semester gerne Lehre halten, aber die Plätze sind natürlich beliebt (weil man ein bisschen mehr Geld kriegt) und....ihr habt's geahnt...werden von besagtem Machtmonster vergeben. Vor dem nächsten Wintersemester wird das also nichts und auch nur dann, wenn der gute Herr das Gefühl hat, dass ich auf die Massen losgelassen werden kann (was natürlich seiner subjektiven Meinung unterliegt und da ich ihn jetzt schon 2 oder 3 Mal behelligt habe, kann es bei dem gut sein, dass ich es mir schon verbaut habe - so läuft das auch hier)...
Gestern abend waren wir schliesslich und endlich bei meinem Professor zum lang geplanten Abendessen, was sehr nett war. Hat zwei süße kleine Kinder (zwei Jungs...3 und 6) und eine sehr nette hübsche Frau (auch Psychologin). Wir haben uns also alle gegenseitig ein bisschen mehr beschnüffelt, was gut ist, da Interaktionen an der Uni ja doch häufig mehr aufs Fachliche begrenzt sind (und er ein schlechtes Gedächtnis hat und demnach eh Vieles, was man ihm von sich erzählt wieder vergisst). Hoffe, wir können das häufiger machen, da die zwei wirklich nett sind und auch "nur" 10 Jahre älter als wir...also im Grunde große Geschwister sein könnten.
Die kommende Woche wird kurz und hoffentlich schmerzlos. Am Donnerstag ist Thanksgiving hier , was heisst, dass alle Welt zu den Eltern oder Erwandten fährt, um den fetten Truthahn zu essen. Das heisst natürlich auch, dass am Mittwoch keiner mehr Veranstaltung hält und viele Studenten Montag und Dienstag schwänzen um sich eine Woche Ferien zu gönnen. Wir haben uns entschlossen, hier zu bleiben, nachdem Patricks Familie sich mal wieder ein paar Sachen geleistet hat, die uns jegliche Feiertagsstimmung vermiest haben. Also bleiben wir hier und lassen es langsam laufen. Am Freitag nach Thanksgiving bricht in den USA offiziell die Weihnachtssaison an (obwohl das ganze Zeug schon seit Wochen in den Läden ist und wir schon so manches Weihnachtslied gehört haben) - bzw. über einen herein. Der Freitag ist der beliebteste Einkaufstag des Jahres und die Leute spielen absolut verrückt (wer hätte das gedacht?). Unser Budget erlaubt dieses Jahr zum Glück keine großen Weihnachtseinkäufe, was in der absolut überwältigenden Masse aller Angebote eine echte Erleichterung ist.
Zu Weihnachten werden uns vielleicht für ein paar Tage wieder nach Nashville trauen - es sei denn, es gibt vorher weitere Episoden der häuslichen Seifenoper.
So, Zeit für den Hausputz. Ich melde mich später in der Woche wieder... Ahoi!
Sunday, November 18, 2007
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1 comment:
Dearest Lydia,
I miss you. I'd love to catch up and see how you're doing. Post in English or drop me an email sometime. Happy Thanksgiving.
Love,
H
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