Wednesday, November 15, 2006

Grauer Tag

Heute eher kurz...und seid gewarnt, nicht so schön...war ein sehr merkwürdiger Tag. Gerade als ich in meinem Leistungskurs so richtig loslegen wollte (mit Piaget, Erikson und Kohlberg für die Psychologen unter Euch), gab es eine Lautsprecheransage, dass ein ehemaliger Schüler in der vergangenen Nacht verstorben sei. Ich glaube, das war mit Abstand die bis jetzt schwerste Situation als Lehrer. Ich kannte den Schüler gut - habe ihn letztes Jahr unterrichtet, schwerst beeindruckt von seinen Fähigkeiten, seiner Reife und seiner Intelligenz. Das ganze Jahr kam es mir vor als sei der arme Junge an der Schule, wo die meisten vor Arbeit und Überforderung sich langstrecken, total unterfordert. Ich kann es schlecht beschreiben, aber einen so reifen 17jährigen habe ich, glaube ich, vorher noch nicht getroffen. Vor wenigen Wochen kam dann die Nachricht, dass man bei ihm einen Hirntumor gefunden hätte und er operiert werden müsste. Man hat ihn dann von Vermont hierher nach Nashville gebracht (das Krankenhaus hier hat einen sehr guten Ruf) und am Donnerstag wurde er operiert. Übers Wochenende gab' dann Komplikationen - er hatte wohl 3 Schlaganfälle und soweit ich es mitbekommen habe wurde der Thalamus verletzt (Mediziner unter Euch...macht das Sinn?!??). Und heute morgen dann eben die Nachricht, dass er über Nacht verstorben sei (wohl an einem weiteren Schlaganfall, wie ich höre). Das war echt hart im ersten Moment - man reagiert da selbst als Mensch drauf, aber dann ist man auch Lehrer und irgendwie Seelsorger, da man die Emotionen von 20 Schülern noch auffangen muss/will/soll. Echt schwierig. Unterricht konnten wir natürlich vergessen und so war es einesehr ruhige und traurige Stunde, in denen ich den Kindern etwas Zeit geben konnte, das Ganze sich setzen zu lassen. Und der ganze Tag war dunklegrau, es hat seit der Nacht geregnet als gäbe es kein Morgen. Interessant für mich war in den Reaktionen der Kinder ganz viel Wut zu sehen, die gleichzeitig in einer kindlich einfachen Art auf ein Feindbild übertragen wurde - "da sind so viele böse Terroristen draußen und die sterben nicht, aber unser guter Freund wird viel zu früh aus dem Leben gerissen, das macht alles keinen Sinn...". Das ist nicht übertrieben, sondern ernsthaft ein Zitat (so oder so ähnlich).

Nun gut. Patrick ist gerade auf einer Konferenz, so dass ich mir dachte, ich schreib' das Ganze einfach mal hier auf und verarbeite es so ein bisschen. Könnte ein paar Leute anrufen, aber die Amis haben ja oft so Tendenzen auf solche Ereignisse und die folgenden Emotionen Floskeln wie "na ja, das wird schon wieder" oder "ja, das ist schwer, aber so ist das eben" rauszuhauen. Irgendwie hab' ich da keine Lust drauf. Ist eben doch jeder zu sehr in seinem eigenen Leben verankert und das ist ja auch verständlich...

Nächstes Mal gibt's hoffentlich wieder bessere Neuigkeiten... bis dahin seid lieb gegrüßt & haltet Euch warm ...

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